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Avanti Dilettanti

Avanti Dilettanti Nr. 8: Überwachungsmaut ist Ökoschwindel

Is doch so! Das Wort zum Donnerstag

Hau ab, Verkehr! Sch!

Hau ab, Verkehr! Sch!

Unser Nachbarland Holland (aka Die Niederlande) will die Kilometerpauschale einführen. Rekeningsrijden heißt es dort, Rechnungsfahren.
3 ct sollen für einen PKW für jeden gefahrenen Kilometer gezahlt werden. Das ganze ersetzt die KFZ-Steuer.

Aha. Und in allen Nachbarländern kommen erhitzte Diskussionen auf. Wir auch! Ja, so und so, aber so!
Holland ist das europäische Land mit dem dichtesten Autobahnnetz gemessen an Autobahnkilometern pro Fläche. Wahrscheinlich sogar weltweit, wenn man von Ländern wie Singapur absieht, also nur unter Flächenländern. Und Hollands Autobahnen ruhen im Dauerstau. Sobald man sich der Randstad nähert, dem Städteagglomerat um Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Utrecht, dann geht an den meisten Stunden des Tages nichts mehr. Der Holländer spricht von der spits, der Belastungsspitze, die inzwischen wohl den halben Tag dauert.

Die Lösung: 3 ct Kilometerpauschale statt Fahrzeugpauschale. Gemessen werden die Kilometer mit einem eingebauten Satellitensender/empfänger (aka GPS).

Die Hoffnung: dann fahren wohl weniger und vielleicht ist es ja auch für die Umwelt gut.

In Holland jubeln schon alle(!) und freuen sich, dass zukünftig die Straßen leer sind und sie mehr Platz(!) zum Fahren(!) haben werden, alle(!).

Der Universaldilettant vermutet: da hat tomtom (großer niederländischer GPS-Navigationsgerätehersteller) sich(!) was ganz Feines erdacht. Nationales Versuchsmodell mit Exportpotential. Singapur will auch! LA! Peking! Hurra!
Die Politiker freuen sich über Zusatzeinnahmen, die in die Verkehrsinfrastruktur fließen sollen. Und vor allem wohl über ein 1a Überwachungsinstrument. Jedes Auto ist fortan lokalisierbar. Ja, auch gestohlene (gutes Argument), aber eben auch alle (hä-hä!). Und mit der Monatsrechnung für die gefahrenen Kilometer kommt gleich der Strafzettel wegen Überschreitens der zulässigen Höchstgeschwindigkeit um 12 km/h am 27. des Monats zwischen Gouda und Edam.

Eigentlich finde ich es ja sinnvoll, Fahrleistung und nicht bloß die Standleistung des Fahrzeugs vom Autofahrer bezahlen zu lassen. Wer Infrastruktur in Form von Straßen nutzt (und dabei die Luft verschmutzt, das nationale CO2-Budget belastet, Krach macht, Natur verbraucht, Unfälle verursacht und so die Sozialkasse belastet, etc.) der möge auch dafür bezahlen. Doch.

Doch dafür gibt es doch schon ein steuerliches Lenkungsinstrument: die Benzinsteuer. Warum soll ein zusätzliches Instrument erschaffen, getestet und installiert werden, das eine Kilometerleistung besteuern können soll, wenn ich stattdessen viel einfacher den Kraftstoffverbrauch besteuern kann? Eine höhere Benzinsteuer bietet zudem den besten Anreiz, ein sparsames und damit weniger umweltschädliches Fahrzeug anzuschaffen. (Hab ich da hinten umweltfreundlich gehört? Pffffff!)
Und Fahrzeuge nutzen auch Gemeinschaftsfläche, wenn sie stehen und nicht fahren, den Dorfanger, der für alle da ist. Hier dürfen Gemeinden ruhig mal den Verkehrswert (ha-ha) einer Fläche dem parkplatzverbrauchenden Fahrzeughalter anrechnen. Was zahlt denn der Heringsstand um die Ecke dem Stadtkämmerer so an Pacht? Außer natürlich, der Fahrzeughalter stellt sein Fahrzeug nachweislich auf sein privates Grundstuck. Also hat auch eine pauschale Fahrzeugabgabe vor dem ersten gefahrenen Kilometer ihre Berechtigung.

Ne, liebe Nachbarn in Orange, Euer Rechnungsfahren ist großer Quatsch und freut bloss den Innenminister und den Gerätehersteller. Das erklärte Ziel, Verkehr zu verteuern und damit hoffentlich zu reduzieren, das kann einfacher erreicht werden.

Den Aspekt der Geschwindigkeitskontrolle auch außerhalb der dudelbenachrichteten Flitzer-Blitzer-Zonen, den finde ich allerdings höchst charmant. Da können wir uns auch gleich eine Scheibe von den Holländern abschneiden und dazu noch Tempo 120 auf allen Autobahnen einführen. Dort ist das Autobahnfahren, so es denn fährt, deutlich entspannter, als diesseits von Venlo. Und wer schnell will, der soll ICE. Oder Thalys.

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✬ ✬ ✬ Gefühlszustand: verfahren

Diskussion

2 Kommentare für “Avanti Dilettanti Nr. 8: Überwachungsmaut ist Ökoschwindel”

  1. [...] das ändert, bitte beim Herrn Ivalo weiterlesen. Schlaue Artikel, schön geschrieben. Z.B. warum die Kilometermaut in Holland doch nicht so großartig ist wie vermutet. – [...]

    geschrieben von kornecke.blog » – Woanders lesen | 20. November 2009, 08:33
  2. Naja, ich finde Autofahren entspannter, wenn alle ihre Geschwindigkeit den Verkehrsbedingungen anpassen. Krampfhaft zu rasen ist genauso stressig wie krampfhaft zu versuchen, eine willkürlich gesetzte Begrenzung nicht zu überschreiten.

    Aber ich fahre selten Auto. Hier in Hannover ist man
    mit der U-Bahn deutlich besser dran, und der Bahnhof mit guten Zugverbindungen überall hin ist nah.

    Das Auto ist eine Notlösung, wenn man mal viel transportieren möchte oder in entlegene Gegenden muss bzw. in so einer Gegend wohnt.

    geschrieben von Hamelenser | 20. November 2009, 23:07

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