Is doch so! Das Wort zum Donnerstag

Ruhr unter!
Das Ruhrgebiet ist eine Region, die mir schon sehr am Herzen liegt. Es ist komisch, Naturbursche der ich bin, Fahrradfahren, Meer und Wald, aber wenn ich durch’s Ruhrgebiet fahre und nur die Ortsnamen lese, Herne, Wattenscheid, Castrop-Rauxel, Essen, Dortmund, Oberhausen, Duisburg, dann geht mir das Herz auf. Doch, is so!
Und wenn ich nun lese, das Opel-Werk in Bochum bleibt erhalten, dann ist mein erster Reflex, darüber beglückt zu sein.
Ist doch gut, Arbeitsplätze, die armen gebeutelten Bochumer, haben schon Nokia verloren, et cetera.
Ist schon pawlowesk, es braucht nur das Stichwort „Arbeitsplätze bedroht“ fallen, kommt als Reaktion Panik!
Aber nun mal langsam, ganz langsam. Da sollen Staatsmillionen gezahlt werden, damit eine amerikanische Firma in Deutschland ein Produkt baut, das hochgradig anachronistisch ist.
Wo keine Umweltinnovation ist, kein Umdenken, da brauche ich nicht 17 Autoindustriestandorte in Deutschland. Da darf auch ruhig mal passieren, was der Gang der Dinge ist, wenn man ein überholtes Produkt hat: pleite gehen lassen, was längst pleite ist.
Die Milliarden, die ins Opelmuseum investiert werden würden, um eine kranke Industrie für ein paar Jahre am Leben zu erhalten, fehlen dort, wo sie sinnvoll und nachhaltig eingesetzt werden können. Im Bereich der regenerativen Energien oder der innovativen, zukunftsfähigen Fahrzeugtechnik, dort wo die neue Regierungskoalition derzeit fröhlich Fördermittel streicht.
Dort entstehen täglich dauerhafte, zukunftssichere neue Arbeitsplätze, die nicht halbjährlich auf dem Verhandlungstisch landen, wenn die Branche mal wieder kriselt. Und es könnten weitaus mehr Arbeitsplätze sein, wenn unsere Regierung den Umweltsektor als Weltmarktpotential begreift.
Wer an der Automobilindustrie als ein traditionelles Gut hängt, aus sentimentalen Gründen oder weil Opa auch schon Opelianer war, der soll sich bitte jeden Tag einmal Manta-Manta im Kino anschauen. Gerne im ehemaligen Opelwerk am Sheffield-Ring und gern mit staatlicher Kulturförderung.
Jeder Euro Staatsgeld, der heute noch in die Industrie des 20. Jahrhunderts investiert wird, ist eine Investition in die Vergangenheit. Das Ruhrgebiet hat den ersten industriellen Wandel weg von der Schwerindustrie überlebt und wird auch ohne Opel existieren können. Wie, das hängt davon ab, ob aus der Rückspiegelperspektive investiert wird oder doch endlich zukunftsweisend.
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✬ ✬ ✬ Gefühlszustand: gehhilfebedürftig




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