Ich soll jetzt auch Treuepunkte sammeln, findet meine Frau. Nicht bei ihr, sondern beim Kino. 6 Stempel, dann gibt es einmal Kino für umsonst.
Ich hab gesagt, will ich nicht. In Schwerin kostet ins Kino ja nicht die Welt, da kann ich mir auch 100% des Eintrittspreises leisten und brauche nicht den faktischen Rabatt von 14,3 % auf Umwegen. Ich sehe das als Kultursponsoring.
Das fand sie überheblich, so wie ein Wessie-Macker-Geschäftsgetue-Angeber.
Das fand sie damals schon blöd, wenn ich mit Kunden telefoniert habe, Wessie-Getue.
Mooment, sag ich, das ist doch ganz was anderes, ich finde unser Kino gut und da kann ich doch auf meinen Rabatt ruhig einmal verzichten, oder? Nicht, weil ich das Geld nicht bräuchte, sondern, weil ich finde, dass es dort gut angelegt ist. Kannst doch einmal öfter hingehen, sagt sie. Will ich aber nicht, sage ich. Und außerdem ist die Karte so dick im Portemonnaie und wenn ich die Karte in die Schreibtischschublade lege, vergesse ich sie da.
Familienfeier, ein 75. Geburtstag. Stieffamilie, daher weniger bekannt und vertraut, als es eine Familienfeier sein könnte.
Der Universaldilettant sitzt da und staunt. Die gleichen Menschen, die vor 5 und vor 10 und vor 15 Jahren in einem anderen Gesellschaftsraum einer anderen Gaststätte im Überlappungsbereich des Ruhrgebiets mit dem Münsterland saßen.
Heute ist der letzte Tag der Nuller-Jahre, die nie die Nuller-Jahre hießen, bevor man ihnen zu gedenken suchte.
Das ist genau wie mit dem Glück, das man hatte und das erst auffällt, wenn es weg ist. Ein Jahrzehnt braucht erst dann einen Namen, wenn es vorüber ist. Es gab allerdings schon früher Überlegungen, ganz zu Anfang hat mal jemand Toilettenjahre vorgeschlagen. Das hat sich nie richtig durchgesetzt. Jedenfalls nicht bei mir.
Lecker Essen? Lecker Glühwein trinken? Sauberes Wasser? Saubere Luft?
Der Universaldilettant schaut aus dem Fenster ins Nassgrautrübdunkelgrauschmie! Denkt an Kopenhagen und den Winter und will nicht.
Und spart sich seine geistreichen Einfälle für heute Abend auf und empfiehlt einfach mal, um 20.30 Uhr ins werk3 zu kommen. Da spielen die Wortlichter Improvisationstheater. Besser schon etwas früher, weil es gibt nur noch ein paar Restkarten.
Ist das wohl cool, klasse, prima, extra, avantgardistisch, zukunftsweisend??
Was auch immer, jedenfalls: der Donnerstag ist in Gent, der drittgrößten Stadt Belgiens, ganz offiziell zum Vegetariertag ausgerufen worden. Kantinen, Restaurants, Imbisse, (fast) alle machen mit und es gibt dort ausschließlich vegetarische Kost. Die Presse kommt aus Thailand und Österreich, staunt und berichtet und alle (bis auf vereinzelte Metzger und Lobbyisten vielleicht) sind begeistert und den meisten schmeckt’s.
Das Ruhrgebiet ist eine Region, die mir schon sehr am Herzen liegt. Es ist komisch, Naturbursche der ich bin, Fahrradfahren, Meer und Wald, aber wenn ich durch’s Ruhrgebiet fahre und nur die Ortsnamen lese, Herne, Wattenscheid, Castrop-Rauxel, Essen, Dortmund, Oberhausen, Duisburg, dann geht mir das Herz auf. Doch, is so!
Und wenn ich nun lese, das Opel-Werk in Bochum bleibt erhalten, dann ist mein erster Reflex, darüber beglückt zu sein.
Ist doch gut, Arbeitsplätze, die armen gebeutelten Bochumer, haben schon Nokia verloren, et cetera.
Unser Nachbarland Holland (aka Die Niederlande) will die Kilometerpauschale einführen. Rekeningsrijden heißt es dort, Rechnungsfahren. 3 ct sollen für einen PKW für jeden gefahrenen Kilometer gezahlt werden. Das ganze ersetzt die KFZ-Steuer.
Aha. Und in allen Nachbarländern kommen erhitzte Diskussionen auf. Wir auch! Ja, so und so, aber so!
Der Universaldilettant hat sich nicht wenig vorgenommen. Er will nicht nur die Blogosphäre vor der großen, alldurchdringenden Sinn- und Laberkrise retten, nein, er will auch die Welt retten.
Mein Plan ist einfach und überzeugend: wir brauchen ein Blogbeschleunigungsgesetz.
Ein Fahrrad auf einer Briefmarke, zwei Erdkugeln als Räder. Und oben drüber steht dick Priority! Das kriegen nur die Holländer hin. Ist zwar bloß Symbolik, löst bei mir aber sofort Neid aus. Das will ich auch. Eine Post, eine Nation, die signalisiert, die Erde fährt gut mit dem Fahrrad. Ist ja auch, rein aus der Fietspadperspektive gesehen, ein Paradies da drüben.
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